Bund + Länder

    BFB-Frauenkonferenz

    BFB - Frauenkonferenzen

    16. – 17.03.2015 in Berlin

    Renate Sternatz, Bereichsleiterin Gemeinden, vor den Delegierten der Bundesfachbereichsfrauenkonferenz.

    „Wir wollen nicht nur die Blümchen, wir wollen den Garten“
    Eigenständige Existenzsicherung muss Leitmotiv der Gleichstellungspolitik sein. Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Das sagt das Gesetz. Dennoch verdienen Frauen weniger als Männer. Dennoch sind Frauen in den Führungsriegen der Wirtschaft und auch im öffentlichen Dienst dünn gesät. Nur langsam, ganz langsam werden es mehr Frauen, die als Chefs das Sagen haben. Auch in ver.di geht vielen Frauen diese Entwicklung zu langsam. Gerade Frauen, die sich seit Jahren in Gleichstellungsfragen engagieren, warnen, dass die Entwicklung derzeit gar rückläufig ist.

    Beharrlichkeit und Engagement – Immer mehr Frauen setzen sich ein für ihre Rechte
    Es geht um Gleichstellung, um gleiche Chancen – nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität. Das wurde auch bei der Bundesfachbereichsfrauenkonferenz Gemeinden und Bund+Länder Mitte März in Berlin deutlich. Gleichstellung braucht stetes Engagement, Wach-samkeit, politische Netzwerke und vor allem: Engagierte Frauen müssen immer wieder deutlich machen, wo es mit Gleichstellung nach wie vor hapert. Bei gleichen Aufstiegschancen zum Beispiel. Auch übernehmen Frauen immer noch den größten Teil der Sorgearbeit – sich zum Beispiel mehr als die Männer um die Familie kümmern oder um zu pflegende Angehörige. Nach wie vor arbeiten viele Frauen in Minijobs. Mit der Folge, dass im Alter ihre Rente nicht zum Leben reicht. Mehr Frauen in Führungspositionen – das ist der eine Punkt auf der Agenda der Frauen im Bundesfachbereich Gemeinden und Bund+Länder. Der andere Punkt heißt: Es muss Schluss sein mit prekärer Beschäftigung – gerade für Frauen.

    Wir erinnern uns – Frauenbewegung ist keine neue Erfindung
    Claudia Nowak, Vorsitzende des Bundesfachbereichs, erinnerte vor den Delegierten an die Geschichte des internationalen Frauentages, der im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen entstand. Damals waren der Kampf gegen den Krieg, das Wahl- und Stimmrecht für Frauen, Arbeitsschutzgesetze, ausreichender Mutter- und Kinderschutz, der Achtstundentag, gleicher Lohn für gleiche Arbeitsleistung und die Festsetzung von  Mindestlöhnen die zentralen Forderungen der Frauen.

    In den späten 60er Jahren, als der Frauentag in Westdeutschland von der neuen Frauenbewe-gung wiederbelebt wurde, ging es unter anderem um die Rechte von Ausländerinnen, das Ende von Gewalt gegen Frauen und die rechtliche Absicherung von Frauen auch auf EU-Ebene. In Ostdeutschland gründete sich der unabhängige Frauenverband im Dezember 1989. Das Motto: Ohne Frauen ist kein Staat zu machen. 1994 wurde das Grundrecht auf Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Grundgesetz verankert. Im gleichen Jahr machten die Frauen mit einem bundesweiten Frauenstreiktag auf die Defizite in der Gleichberechtigung aufmerksam.

    Auch 2015 sind diese Defizite noch nicht alle verschwunden, betonte Nowak. 2015 fällt der Equal-Pay-Tag auf den 20. März. Das heißt: Von Jahresbeginn an bis zum 20 März arbeiten Frauen quasi für lau. Die Lohnlücke beträgt weiter stattliche 22 Prozent. Was es braucht, damit diese Lohnlücke sich schließt? „Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen und gegenseitige Solidarität“, ist sich Nowak sicher. Und eines dürfen die Frauen niemals vergessen: „Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung sind keine Selbstläufer – es ist ein andauerndes Ringen und Ziehen in die richtige Richtung“, so die Vorsitzende des Fachbereichs Gemeinden.

     

    Dr. Barbara Stiegler bei ihrem Referat auf der Bundesfachbereichsfrauenkonferenz in Berlin ver.di Dr. Barbara Stiegler

    Ein angemessenes Leben nach dem Erwerbsleben muss selbstverständlich werden
    Für Bereichsleiterin Gemeinden Renate Sternatz gehören Entgeltgleichheit, Chancengleichheit für Frauen und Männer, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gute berufliche Perspektiven und eine eigenständige Existenzsicherung zur Geschlechtergleichstellung. Vor allem die eigenständige Existenzsicherung muss nach Sternatz das Leitmotiv einer Gleichstellungspolitik sein: „Sie ist sowohl Bedingung als auch Basis für gerechte Geschlechterarrangements auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft“, sagte sie. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst, den die Arbeitgeber in der jüngsten Tarifrunde für die Beschäftigten der Länder ins Visier genommen hatten. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass ein Rütteln an der Zusatzversorgung mit ver.di nicht zu machen ist. Denn „die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Vorsorge im Alter.“

    Sternatz bekräftigte ferner die Forderungen der Gewerkschaft zur Aufwertung der sozialen Berufe. „Die Aufwertung ist ein notwendiger Schritt zur Entgeltgleichheit für Arbeitsfelder, in denen überwiegend Frauen tätig sind.“ Sternatz verwies auch auf den Branchenbericht auf der Basis des DGB-Index Gute Arbeit aus dem Jahr 2012/2013, in dem erstmals die Arbeitsbedingungen in der öffentlichen Verwaltung aus Sicht der Beschäftigten unter die Lupe genommen wurden. Dieser Bericht belegt nach Sternatz Worten die strukturelle Benachteiligung von Frauen. Denn trotz ähnlichen Bildungsniveaus sind Frauen in verbeamteten Tätigkeiten, komplexen Spezialistentätigkeiten oder Führungsfunktionen unterrepräsentiert. Auf der anderen Seite: Über 90 Prozent der Teilzeitarbeitenden sind Frauen und die Rückkehr in eine Vollzeitarbeitsstelle wird ihnen oftmals verwehrt. Die Aufstiegsmöglichkeiten zu Fach- oder Hierarchiekarrieren sind in Teilzeit zudem deutlich schlechter als in Vollzeit.
    Deshalb braucht es mehr Engagement für Geschlechtergerechtigkeit auf allen Politikeben und im Betrieb.