Projekt: Gute Arbeit

    Von wegen gute Arbeit

    Von wegen gute Arbeit

    Beschäftigte der Bau- und Liegenschaftsbetriebe geben ihren Arbeitsbedingungen schlechte Noten

    2009 hat der Bundesfachgruppenvorstand der ver.di-Bundesfachgruppe Bau- und Liegenschaftsmanagement beschlossen, dass aufgrund permanenter Veränderungsprozesse, Reformvorhaben und eines einschneidenden Personalabbaus, eine Überprüfung der Ist-Situation notwendig wäre. Es sollte überprüft werden, wie die Beschäftigten ihre Arbeitssituation und ihre Arbeitsbedingungen empfinden. Relativ rasch stand dabei fest, dass sich dafür am besten der DGB-Index Gute Arbeit als Methode einer solchen Mitarbeiterbefragung eignet.

    Der Bundesfachgruppenvorstand ahnte zwar, wo die Probleme liegen. Aber wir wollten es schwarz auf weiß haben. Wir wollten mehr darüber wissen, wie sich die Situation für die Beschäftigten vor Ort genau gestaltet, wie die Personalentwicklung aussieht, was die Kolleginnen und Kollegen in den einzelnen Betrieben umtreibt, wie sie ihre Arbeits - bedingungen beurteilen. Denn nur, wenn wir wissen, wo der Schuh drückt, können wir auch daran arbeiten, gezielt Maßnahmen zu entwickeln, um die Probleme zu lösen. Nach einer längeren Vorbereitungsphase wurde im Jahr 2010 mit dem Projekt begonnen, indem sich fünf Landesbetriebe für Bau- und Liegenschaftsmanagement und ein Landesbetrieb für Immobilienmanagement für eine flächendeckende Mitarbeiterbefragung rüsteten. Als sehr positiv stellte sich die hohe Rücklaufquote der Beteiligung an der Befragung heraus. Die ersten Ergebnisse der Befragung zeigten, dass wir in unserer Einschätzung, bezüglich vermuteter Problemstellungen richtig lagen.

    Vieles, was die Analyse an den Tag brachte, haben wir er - wartet. Dass die Kolleginnen und Kollegen sich am absoluten Limit der Arbeitsbelastung sehen – eine Folge des Personalabbaus, der seit Jahren anhält. Arbeitsverdichtung, Arbeitsstress sind an der Tagesordnung. Einiges aber hat auch uns erstaunt. Zum Beispiel, wie groß der psychische Stress ist, dem die Beschäftigten in Folge der permanenten Umstrukturierungen in den Bau- und Liegenschaftsbetrieben ausgesetzt sind, und deren Sinn sich ihnen oft nicht erschließt. Auch die Arbeitgeber ließ das Ergebnis der Analyse nicht kalt. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel begann der Arbeitgeber bereits, Maßnahmen zum Gesundheitsschutz zu ergreifen.

    Wir wissen aber auch: Rückenschulen allein reichen nicht aus. Es muss darum gehen, die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Personalräte wie Arbeitgeber müssen nach kreativen Möglichkeiten suchen, den Stress zu vermindern und die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen. Jeder von uns weiß, dass es dafür einen langen Atem braucht. Aber den haben wir – denn es geht um die Interessen der Kolleginnen und Kollegen.