Bundesverkehrsverwaltung

    Donnerwetter

    Donnerwetter - Information der ver.di Betriebsgruppe Deutscher Wetterdienst

    Wie Einkommens-verträglich ist die Messnetz-Automatisierung?

    Die Messnetz-Automatisierung ist in vollem Gange, für unsere Dienstleitung läuft alles nach Plan, man könnte glauben, die sozialverträgliche Umsetzung ist gelungen. Oder schlucken die meisten Betroffenen nur Not-gedrungen die Kröte?

    Wie wirken sich die Veränderungen finanziell auf das nicht gerade üppige Einkommen aus? Man hört: „Sie können das doch von der Steuer absetzen.“ Was ist da dran? Welche steuerlichen Auswirkungen haben denn Verzicht auf Schichtdienst, überlange Arbeitswege, teilweise dislozierte Tätigkeit, eine Zweitwohnung oder andere Veränderungen, die man unter dem „freiwilligen Zwang“ einer Änderung der Tätigkeit für den DWD auf sich nimmt?

    Wir haben mal nachgerechnet, was es die Kolleginnen und Kollegen im Stationsnetz kostet, flexibel und motiviert zu sein: Bei jeder Variante kommt ein Minus heraus, zwischen 600 und 6000 € pro Jahr!

    Ledige Beamte mit A7 im Wechselschichtdienst erhalten derzeit rund 35.000 € brutto im Jahr. Durch Wegfall ihres Wechselschicht-Arbeitsplatzes verzichten sie auf die Zulagen in Höhe von ca. 4200,- € jährlich, also ca. 350,- € pro Monat – dies entspricht mehr als der Differenz von A7 zu A8 in der höchsten Erfahrungsstufe.

    Hierzu kommen weitere finanzielle Einbußen durch die doppelte Haushaltsführung oder lange Pendel-Wege. Durch das nicht gerade großzügig bemessene Trennungsgeld wird das maximal für 2 Jahre einigermaßen kompensiert. Danach können die Aufwendungen zwar in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden, man erhält dadurch allerdings lediglich ca. 20 bis 30 % zurück. 70 bis 80 % der Mehrausgaben sind also aus eigener Tasche zu bezahlen! Die finanziell günstigste Version würde „100% Telearbeit zu Hause“ darstellen. Ein überwiegend dienstlich genutztes Arbeitszimmer für die Telearbeit zu Hause wirkt zwar steuermindernd, aber auch hier lauern Fallstricke im Steuerrecht und mit strengen Kontrollen ist zu rechnen.

    An eine neue Dienststelle im Schichtbetrieb zu wechseln - einschließlich Umzug - würde zwar nur zu geringen finanziellen Einbußen führen. Jedoch sind durch die Automatisierung im Messnetz nur noch wenige solcher Stellen im Angebot – meist in Ballungszentren, wo die Lebenshaltungskosten einen deutlich größeren Teil des Einkommens verschlingen.

    In der Summe verbleiben vom ursprünglichen Einkommen an der Wetterwarte im ungünstigsten Fall nur noch 61 %. Das also ist der Preis, den die flexiblen und der Neuorientierung aufgeschlossenen Beschäftigten zu zahlen haben!

    Und das ist nur die finanzielle Sichtweise. Hinzu kommt die Verschlechterung der Lebensqualität durch lange Fahrzeiten sowie Trennung von Familie und sozialem Umfeld.

    Fazit:
    Die Automatisierung der Wetterwarten führt nahezu immer zu finanziellen Einbußen für die Betroffenen. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, diese abzumildern. Wichtig ist, sich darüber in den Gesprächen über die berufliche Zukunft zu informieren.

    Welche Alternative im individuellen Fall die günstigste ist, muss jede(r) Betroffene selbst nachrechnen und entscheiden. Eure ver.di-Vertrauenspersonen, die zum Teil auch selbst Erfahrung mit Einkommens -„verträglicher“ Umsetzung haben, helfen gern. Wir sind keine Steuer-Experten, aber für ver.di-Mitglieder gibt es den Lohnsteuer-Service! Näheres finden Sie im Internet.

    Übrigens: Dass Einkommen und Lebenshaltungskosten in den Ballungsräumen für viele nicht mehr zusammenpassen, wird für ver.di auch ein Thema der Tarifverhandlungen 2018 sein. Von allein verbessert sich nichts!