Straßenbauverwaltung

    Hängepartie für die Mitarbeiter von Straßen NRW beenden

    Hängepartie für die Mitarbeiter von Straßen NRW beenden

    Wenn der Bund die Autobahnen übernimmt verliert der Landesbetrieb in Meschede Aufgaben. Die Mitarbeiter wissen nicht, was dann weiter passiert.

    Es herrscht Unruhe im Landesbetrieb Straßenbau: Zum einen wird der Bund die Autobahnen 2021 komplett (Planen, Bauen und Unterhalten) selbst übernehmen. Zusätzlich überlegt das Land momentan, die Bundesstraßen, wie die Autobahnen, gleich komplett an den Bund mit abzugeben. Beides hat und hätte Auswirkungen auf das Aufgabenspektrum der Mitarbeiter auch am Standort in Meschede. Nur die Landstraßen blieben als Aufgabenbereich. Ungefähr zwei Drittel der Aufgaben könnten damit zukünftig zum Bund übergehen. 

    Porträt von Ferdi Ross privat Ferdi Ross

    Standort bleibt erhalten
    Während der Gewerkschaftsvertreter Ferdi Ross über die belastende „Hängepartie“ für die Mitarbeiter schimpft, bezeichnet die Pressesprecherin von Straßen NRW in Gelsenkirchen, Ingrid Scholtz, die Stimmung unter den Mitarbeitern als „abwartende Gelassenheit“. Die Übertragung an den Bund sei beschlossene Sache, man befinde sich zurzeit in einer Übergangsphase. Scholtz: „Was wir wissen: Alle Standorte bleiben erhalten und zurzeit werden die Aufgaben auseinanderdividiert.“

    248 Mitarbeiter am Standort
    Bisher arbeiten in der Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift, die zuständig ist für den Bereich zwischen Paderborn, Höxter, Soest und Hochsauerlandkreis insgesamt 448 Mitarbeiter. Sie sind alle Landesbedienstete - 284 gehören zum Standort Meschede, 155 arbeiten im Innendienst und 129 im Außendienst.

    Für manchen könnte sich beides mit der Übernahme ändern, fürchtet Ferdi Ross. Der Bad Fredeburger war lange Jahre Personalratsvorsitzender in Meschede bevor er vor zwölf Jahren den Vorsitz im Gesamtpersonalrat von Straßen NRW übernahm. Zurzeit ist er als Rentner noch Vorsitzender der ver.di-Fachkommission Landesstraßenbau.

    Ferdi Ross aus Bad Fredeburg war lange Jahre Personalratsvorsitzender in Meschede, bevor er vor zwölf Jahren den Vorsitz im Gesamtpersonalrat von Straßen NRW übernahm. Zurzeit ist er als Rentner noch Vorsitzender der Verdi-Fachkommission Landesstraßenbau. Westfalenpost

    Mitarbeiter bewerben sich weg
    Er sieht die ersten Reaktionen auf die Ankündigung des Bundes: „Wir erleben, dass sich vermehrt Mitarbeiter bei den Kommunen bewerben. Gerade die Kollegen, die im Sauerland gebaut haben, deren Kinder hier zur Schule gehen und deren Partner auch hier ihren Job haben, haben keine Lust auf Unruhe und einen Neustart, womöglich in Hamm oder an einem anderen Standort, den dann der Bund festlegen könnte.“

    Hinzu kommt, dass das Land zurzeit überlegt, ob es auch die Auftragsverwaltung für die Bundesstraßen an den Bund abgibt. Für diese Entscheidung hat es noch Zeit bis Ende 2018. Doch wer in Meschede in diesem Bereich arbeitet, macht sich natürlich auch seine Gedanken, weiß Ross.

    Teile der Mescheder Mitarbeiter erinnern sich noch zu gut: Erst 2006 war das Straßenneubauamt in Soest aufgelöst worden und in Teilen auf Meschede übergegangen. Seitdem werden Autobahnen, Bundesstraßen und Landesstraßen in Meschede geplant und gebaut. Die Unterhaltung der Autobahnen läuft von Hamm aus. „Wer sagt, dass nicht ein neuer Arbeitgeber wie der Bund all diese Aufgaben mittelfristig an einem anderen Standort zusammenzieht?“, fragt Ross.

    Er weiß auch, dass die betroffenen Kollegen erstmal keine Angst um ihren Job haben müssen. Jeder habe das Recht zu bleiben, würde dann aber möglicherweise seinen jetzigen Aufgabenbereich verlieren. Die Bezahlung beim Bund sei sogar für einige höher. Aber individuell könne sich schon einiges ändern. „Wir haben beim Land über die Jahre viele Standards erstritten, von der Telearbeit bis zu 100 unterschiedlichsten Arbeitszeitmodellen, all’ das wäre nicht mehr garantiert.“

    Sollte das Land dann tatsächlich entscheiden, auch die Bundesstraßen abzugeben, wären die jetzigen Aufgaben des Mescheder Landesbetriebs um zwei Drittel reduziert. Ross weiß aus seiner 40-jährigen Erfahrung als Personalvertreter: „Das führt zu Veränderungen in der Organisation.“

    Dass Meschede als Standort komplett verschwinden könnte, diese Gefahr sieht Ross aktuell nicht. Er fürchtet auch nicht, dass eine verstärkte Privatisierung zu erwarten ist. „Aber die Bedeutung des Standorts verändert sich - mit oder ohne Bundesstraßen und Autobahnen schon erheblich.“

    Quelle: Westfalenpost