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    Die Bundeswehr in unwegsamen Gelände!

    Die Bundeswehr in unwegsamen Gelände!

    Die Bundesregierung plant die Beschäftigung bei der Bundeswehr attraktiver zu gestalten und hat deshalb in den Bundestag ein "Attraktivitätsgesetz" eingebracht, welches verschiedene Maßnahmen vorsieht. (Siehe Bundestags-Drucksache 18/3697).
    ver.di hat zum Gesetzentwurf ausführlich Stellung bezogen und weiterführende Vorschläge unterbreitet.

    Wie ist es um die aktuelle berufliche Lage der Soldatinnen und Soldaten bei der Bundeswehr bestellt? Zur notwendigen Bestandsaufnahme führt ver.di fortlaufend Gespräche mit Soldatinnen und Soldaten, z.B. am 20. Februar 2015 in der "Ernst-von-Bergmann-Kaserne" in München.

    Klaus Weber ver.di Klaus Weber, Bundesbeamtensekretär und Bereichsleiter mit KollegInnen der Bw

    Die Soldatinnen und Soldaten begrüßen grundsätzlich die vom Gesetzgeber in Aussicht gestellten Maßnahmen, etwa bei der Bezahlung oder zur Arbeitszeit. Insbesondere zur längerfristigen Bindung von Personal seien wirkungsvollere Regelungen als bisher zu treffen.

    Doch, so betonen es die Soldatinnen und Soldaten, reichen diese Maßnahmen nicht aus, um eine bessere Rekrutierung zu erreichen. Nicht die finanziellen Zuwendungen seien entscheidungsprägend, sondern Irritationen entstünden durch ein verwaschenes Profil des Arbeitgebers und Dienstherrn Bundeswehr.

    So wird über die Anwerbung von einer wachsenden Zahl von Soldatinnen und Soldaten berichtet, deren Motivation eher diffus sei. Bemängelt wird vor allen Dingen fehlendes Berufsethos.

    Unser in den Gesprächen gewonnene Eindruck einer Trennlinie innerhalb der Bundeswehr, die zwischen denen, die sich mit dem Beruf identifizieren und jenen, die die Tätigkeit nur wegen des Geldes oder zum Vorbereitung auf Berufe außerhalb der Bundeswehr nutzen, verläuft, wurde von den Soldatinnen und Soldaten bestätigt.

    Unsere Gesprächspartner sehen wie ver.di einen profunden Handlungsbedarf für eine langfristige und nachhaltige Personalplanung, um eine leistungsorientierte Personalentwicklung und -führung einschließlich der Entwicklung sozialer Kompetenzen zu gewährleisten.  Zur besseren Vereinbarkeit beruflicher und familiärer Verpflichtungen sollten nach Ansicht der Soldatinnen und Soldaten größere Anstrengungen unternommen werden und bereits angekündigte Maßnahmen, wie etwa die Einrichtung von Kindertagesstätten, rasch realisiert werden.  Mehr Engagement wird darüber hinaus auch bei der Einsatz- und Altersversorgung erwartet.

    Die Personalplanung der Bundeswehr muss sich stärker an den Erfordernissen einer Einsatzarmee orientieren. Bemängelt wird in diesem Zusammenhang vor allem der häufige Einsatz von Spezialkräften und die nachlassende Beachtung der erforderlichen Ruhe- und Verweilzeiten gerade für dieser Soldatinnen und Soldaten in ihren "Heimatkasernen" in Deutschland.
    Auf erhebliche Kritik stößt auch die Überalterung der Ausrüstung und Materialien, die Sicherheitsrisiken mit sich brächte.  

    Das Attraktivitätsgesetz wird als notwendiger Schritt begrüßt, um Personal zu werben; ebenfalls erforderlich seien jedoch veränderte Rahmenbedingungen.

    Die Soldatinnen und Soldaten brauchen Klarheit, welche Rolle die Bundeswehr im nationalen und internationalen Interesse einnimmt. Die dafür erforderliche Organisationentwicklung muss mit einer entsprechenden Personalpolitik einhergehen.

     

    Bericht: Klaus Weber, Bundesbeamtensekretär und Bereichsleiter, ver.di-Bundesverwaltung.