verdikt

    verdikt 2.06

    verdikt 2.06

    Titelseite der verdikt ver.di verdikt 2.06

    [E D I T O R I A L]

    „Alle Schotten sparen“, hieß einer dieser wunderbar klischeebehafteten Schlager aus meiner Jugend in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zwar war auch damals schon gelegentlich von Maß halten (und damit war beileibe nicht ein Bayerischer Bierkrug gemeint) die Rede. Allein das Wirtschaftswunder machte es immer wieder möglich, dass einiges in Bewegung kam oder in Bewegung blieb in der Bundesrepublik der fetten Jahre. Auf der Strecke blieben aber auch schon damals ganze Bevölkerungsgruppen, die man im Schatten der Gesellschaft nicht wahrnahm oder wahrnehmen wollte.

    Im Strafvollzug regierte immer noch das besondere Gewaltverhältnis; von einem Strafvollzugsgesetz keine Rede. Es erblickte das Licht der Paragrafenwelt erst 1977, und es dauerte bis zum Mai dieses Jahres, bis das BverfG dem Gesetzgeber die Leviten las und ihn aufforderte, bis Ende 2007 ein Jugendstrafvollzugsgesetz zu schaffen. Dabei hatten die Richterinnen und Richter in den Roten Roben die Rechnung jedoch ohne den Wirt, sprich die Föderalismusreform gemacht. Sie macht’s möglich, dass die Länder sparen können (wie die Schotten) und Resozialisierungsbestrebungen auf kleinster Flamme kochen, sozusagen „slow Food im Strafvollzug“, sofern sie das Wort Resozialisierung überhaupt noch verwenden. Während slow Food aber zu geschmacklich hervorragenden Ergebnissen führt, möchte ich das Süppchen, das manche Länder mit ihren Gesetzentwürfen brauen, nicht auslöffeln (s. dazu den Beitrag von Asbrock, S. 4). Wer hier zu viel spart, der wird bei der Kriminalitätsbekämpfung irgendwann draufsatteln müssen, und ob das der Weisheit letzter Schluss ist, darf füglich bezweifelt werden.

    Mehr hierzu und zu weiteren Themen finden Sie in der Ausgabe 2.06, die als PDF-Datei heruntergeladen werden kann.