verdikt

    verdikt 1.18

    verdikt 1.18

    [E D I T O R I A L]

    Bild zeigt Titelseite der verdikt 2.18 ver.di verdikt 1.18

    Liebe Leserinnen, liebe Leser von verdikt, . unser Heft, so heißt es programmatisch bei ver.di, soll eine Stimme aus der Justiz für die Justiz sein. Kritische Leserinnen und Leser könnten beim Lesen der vorliegenden Ausgabe anmerken, dass sie diesen Anspruch nur sehr bedingt einlöst. Aber stimmt das wirklich? Es stimmt nur, wenn sich Justiz lediglich als Hüterin von Recht und Ordnung versteht und nicht bereit ist, Menschenrechte und Phänomene wie Globalisierung in ihren Entscheidungshorizont einzubeziehen. Auch wenn es den Nationalisten in diesem Land nicht gefällt (und die gibt es schließlich ebenso in unseren Gerichten), so haben wir es in der richterlichen Spruchpraxis und in den sozialen Diensten der Justiz heute doch häufig mit transnationalen Lebenssachverhalten zu tun, sei es auf Ebene der EU und ihrer Institutionen (kritisch zu ihr Engels/Fisahn, Seite 4) oder im Bereich der universellen Menschenrechte. Zu diesem Themenkomplex gehört auch die Praxis des Racial Profiling, das von Sandhu besprochen wird (siehe Seite 10). Hier könnte es aufschlussreich sein, wieder einmal rechtssoziologisch zu untersuchen, wie weit sich solche Vorurteile auch nach wie vor (oder erneut?) in der Justiz finden. Das wäre, so denke ich, ganz im Sinne einer aufklärerischen Rechtspraxis, wie sie von Jura-Stipendiaten der Hans-Böckler-Stiftung in ihrem Beitrag „Kritische Rechtspraxis und Digitalisierung“ eingefordert wird (vgl. Seite 21).

    Eine entsprechende Fragestellung könnte etwa lauten: Wie groß ist unter den Kolleginnen und Kollegen die Sensibilität für solche Themen, oder haben sie, begraben unter ihren Aktenlawinen, dafür keinen Atem mehr? Es wäre spannend, von unserer Leserschaft, d. h. von Ihnen, hierzu mehr zu hören. Also schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen. Aber vergessen Sie dabei nicht, dieses Heft zu lesen. Es lohnt sich!

    Für die Redaktion
    Uwe Boysen